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184. Münchner Oktoberfest
16. September - 3. Oktober 2017
Update: Sunday, 23. August 2015 — 19.56 Uhr

O'zapft is!Anstich

Die Wiesn beginnt traditionell mit dem Anstich. Doch was steckt hinter dieser Zeremonie und seit wann gibt es den Anstich als Eröffnungsfeier des Volksfests? Diese und weitere Fakten zum Wiesn-Beginn haben wir für Sie zusammengetragen.

Der damalige OB Christian Ude nach dem Anstich im Gespräch mit Wiesnchef Dieter Reiter. (Foto: Gerd Bruckner)

Der damalige OB Christian Ude nach dem Anstich im Gespräch mit Wiesnchef Dieter Reiter. (Foto: Gerd Bruckner)

Früher wurde auf dem Oktoberfest das Bier ausschließlich aus großen Holzfässern ausgeschenkt. Um aus einem solchen Fass überhaupt Bier zapfen zu können, muss ein Zapfhahn mit einem Schlegel in des Fass eingeschlagen werden. Da der Zapfhahn an der Faßseite spitz zuläuft, geschieht das Öffnen des Fasses durch einen Stich ins Fassinnere.

Thomas Wimmer

Thomas Wimmer

Die Tradition des Anstichs des ersten Bierfasses auf dem Münchner Oktoberfest durch den Oberbürgermeister ist noch gar nicht so alt, wie oft vermutet. Erst 1950 begründete der von den Münchnern liebevoll "Wimmer Dammerl" genannte damalige Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer diese Tradition. Er brauchte für das Anzapfen 17 Schläge, was bislang die höchste Schlaganzahl darstellt. Nach dem das Fass angezapft war, rief er laut in die Menge "O'zapft is!" um dem durstigen Volk zu verkünden, dass das erste Fass angezapft ist und somit Bier ausgeschenkt werden kann.

Mit dem zweiten Oktoberfest nach dem 2. Weltkrieg entstand also erst die Tradition, die Wiesn im Schottenhamel-Festzelt durch die Anzapfzeremonie, durchgeführt vom Münchner Oberbürgermeister, und dem Ausruf "O'zapft is!" zu eröffnen. Hintergrund waren wohl die mageren Besucherzahlen nach den schlimmen Kriegsjahren und der Versuch der Stadt München, die Beliebtheit des Volksfests zu steigern. Immerhin ist das Oktoberfest bereits vor dem Krieg ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Stadt gewesen.

Erst nach dem Ausruf "O'zapft is!" durch den Münchner Oberbürgermeister darf in den anderen Festzelten Bier ausgeschänkt werden. Aus der Zeit vor der modernen, elektronischen Kommunikation stammt der Brauch, dies durch das Abfeuern von 12 Böllerschüssen kund zu tun.

Den Rekord der wenigsten Schläge hält der amtierende Oberbürgermeister Christian Ude, der in den Jahren 2005, 2008 bis 2013 jeweils nur 2 Schläge für das Anzapfen benötigte.

Wenig Glück mit dem Anzapfen hatte Münchens bislang einziger Nachkriegsoberbürgermeister von der CSU, Erich Kiesl. Im ersten Jahr seiner Amtszeit, veranstaltete er ein übermässiges Bierbad und vergaß in aller Aufregung den Auspruch "O'zapft is!" und sorgte so für weitere Verwirrung. Im Jahr darauf war er so aufgeregt, dass er glatt die Buchstaben verwechselte und lauthals "Izapft os!" in die Mikrofone schrie. Gerüchtehalber soll ihm im Jahr 1981 ein ähnliche Missgeschick passiert sein und er rief "O'batz is!".

Seit 1950 ist der Wiesn-Anstich erst einmal, im Jahr 2001, ausgefallen. Wegen den Terroranschlägen des 11.09.2001, wenige Tage vor Wiesn-Beginn, war erst nicht sicher, ob das Oktoberfest überhaupt stattfinden sollte. Als die Entscheidung schließlich für die Durchführung fiel, entschloss sich die Stadt München, auf die rustikale Zeremonie mit dem traditionellen Fassanstich zu verzichten. So eröffnete der Oberbürgermeister Christian Ude das Oktoberfest in jenem Jahr mit einer schlichten, besinnlichen Eröffnungsfeier. -mrj