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184. Münchner Oktoberfest
16. September - 3. Oktober 2017
Update: Sunday, 23. August 2015 — 19.56 Uhr
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Oktoberfest zur JahrhundertwendeKuriositäten und Modernisierung

Die Zeit ab 1870 ist geprägt von dem Aufkommen immer neuer Belustigungen und Fahrgeschäfte für die Wiesn-Besucher und dem Einzug elektrischer Energie auf dem Festgelände. Immer wieder gab es in dieser Zeit Ausfälle des Fests – letztlich mündete jene Zeit des Umbruchs dann 1914 in den ersten Weltkrieg, währenddessen das Oktoberfest auch ausfiel.

Flanieren auf der Festwiese, 1897 (Foto: Stadtmuseum München)

Im Jahr 1869 ist das "Original-Zauber-Spezialitäten-Theater" von Michael August Schichtl zum ersten Mal auf der Wiesn vertreten. Berühmt wurde er mit einem etwas fragwürdigen Galgenhumor – wobei Galgen später durchaus wörtlich zu nehmen ist.

Der Schichtl um 1900(Foto: Stadtmuseum München)

Der Schichtl um 1900
(Foto: Stadtmuseum München)

Mit den heute berühmten Worten "Auf geht's beim Schichtl" rekommandierte Papa (Johann) Schichtl seit 1871 seine „Extra-Galavorstellung mit noch nie dagewesenen Sensationen“. Die „Enthauptung“ einer lebendigen Person auf offener, hellerleuchteter Bühne mittels Guillotine, die 1872 ins Programm aufgenommen wurde ist bis heute Bestandteil der Bühnenshow. Auch der Schmetterlingstanz der Elvira ist bis heute ein sehr beliebter Bestandteil des bunten Programms.

1870 musste das Oktoberfest wegen des Deutsch-Französischen Krieges ausfallen. Bereits 1873 fiel das Fest erneut aus – jedoch nicht wegen eines Krieges, sondern wegen einer zu dieser Zeit grassierenden Cholera-Epidemie. Ursache dieser schweren Infektionskrankheit waren mangelnde Hygiene und verunreinigtes Trinkwasser und Nahrungsmittel. Der Arzt Max von Pettenkofer erkannte bereits 1836 diese Zusammenhänge und ab 1867 entstand daher in München unter der Leitung des Stadtbaurats Arnold Zenetti ein umfangreiches Kanalisationssystem.

Steyrer Hans(Foto: Stadt-museum München)

Steyrer Hans
(Foto: Stadt-
museum München)

Der bis heute als große Attraktion am ersten Wiesntag stattfindende festliche Einzug der Wiesnwirte wurde 1887 durch den über die Grenzen Münchens bekannten Wirt Steyrer Hans begründet. Der in Allach geborene Johann Baptist Steyrer war Metzger und Gastwirt und wurde schon vor seiner Zeit als Wiesnwirt als „der bayrische Herkules“ bekannt: Er lupfte schwere Steinbrocken, stemmte gar Ochsen und zerriss Hufeisen. Heute würde man ihn wohl einen Kraftsportler nennen.

1879 bekam er ein Zelt auf dem Oktoberfest, wo er auch seine Kraft demonstrieren wollte, was ihm jedoch der Magistrat der Stadt verbot. Nicht an Ideen verlegen lud er 1887, als es für ihn aufs Oktoberfest ging, Bierfässer, seine Familie und das Personal auf einen Vierspänner und einige festlich geschmückte Zweispänner. So machte sich sein „Festzug“ von seiner Gaststätte „Tegernseer Garten“ in Giesing aus auf den Weg zur Theresienwiese. Im Tal, auf etwa halben Weg, stoppte die Polizei seinen Umzug. Später wird der Steyrer Hans vor dem Amtsgericht wegen „groben Unfugs“ und „Störung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit“ zu einer hohen Strafe von 100 Goldmark verurteilt. Er ließ sich davon aber nicht beirren und schon im nächsten Jahr zum Oktoberfestbeginn beludt der Mann mit dem Oachkatzl-Bart erneut seine Wagen mit Bier und Bedienungen. Andere Wiesnwirte taten es ihm bald gleich und so entstand die Tradition des Wiesnwirte-Einzugs.

Auch 1879 fand als besondere Attraktion die Zurschaustellung eines afrikanischer Volksstammes statt – heute unvorstellbar. Im Jahr darauf hielt erstmals das elektrische Licht auf der Wiesn Einzug: Etwa 400 damals noch kleine Wirtsbuden und Schaustellerbetriebe erstrahlten in elektrischem Licht. Fortan sorgte elektrisches Licht anstelle der zuvor benutzen Gaslampen dafür, dass die Wiesnbesucher abends nicht im Dunkeln verbringen mussten. Auch für den Antrieb von Fahrgeschäften setzte sich mit der Zeit Elektrizität anstelle von Muskelkraft durch.

Schaustellerstraße 1899(Foto: Stadtmuseum München)

Schaustellerstraße 1899
(Foto: Stadtmuseum München)

Seit 1892 wird das Bier auf der Wiesn in die noch heute verwendeten Glasmaßkrüge ausgeschenkt. Davor kamen gewöhnliche Ton- und Steinkrüge zum Einsatz. Die erste und damals einzige Hühnerbraterei der Welt von Joseph Ammer wird seit 1885 auf der Wiesn aufgebaut. Ab dem Jahr 1896 kamen schließlich die ersten großen Bierburgen auf die Wiesn. Unternehmungslustige Wirte stellten sie in Zusammenarbeit mit den Brauereien auf, so wie es noch heute der Fall ist.

Zu den ersten Betreibern einer großen Bierburg gehörte die Familie Schottenhamel, die schon seit 1867 einen Bretterschuppen als Wirtsbude hinter dem Königszelt betrieb. Bereits im ersten Jahr 1896 werden in ihrem großen Festzelt Bierbänke, Krüge und Blasmusiker elektrisch angeleuchtet, eine doppelte Oktoberfest-Prämiere. Auf der Leiter sitzt ein 17jähriger aufmüpfiger Hilfsarbeiter, namens Albert. Er ist Sohn des Fabrikanten Hermann Einstein, der mit seiner in Augsburg ansässigen Firma Elektrotechnische Fabrik J. Einstein & Cie für die Technik verantwortlich ist. Der junge Albert Einstein schraubt die Glühbirnen in die Fassungen des Schottenhamel-Festzeltes. Ob die Menschen damals schon wussten, dass Einstein eine große Leuchte war? Bestimmt nicht. Etwas besonderes war die luxuriöse Beleuchtung auf dem Oktoberfest aber allemal.

Unter anderem wurden auch die Straßen Schwabings, die Brauerei Pschorr und das Krankenhaus Rechts der Isar von der Firma Einstein beleuchtet. Später erleuchtete Albert mit seinen Ideen und Theorien die ganze Welt. Wenn man so will, angefangen hat die ganze Leuchterei auf dem Oktoberfest.

Heute ist es keine Besonderheit mehr, dass Bierzelte und Fahrgeschäfte hell erleuchtet sind. 43 km Kabel verlegen dazu die Stadtwerke München. Mit einem Verbrauch von 2,7 kWh macht das 13% des täglichen Verbrauchs von ganz München aus. 35.000 Glühbirnen brennen allein am Wiesn-Riesenrad. Wer die wohl alle eingeschraubt hat? Albert Einstein jedenfalls nicht.

Im Jahre 1910 feierte das Oktoberfest, welches heute als das größte Volksfest der Welt bekannt ist, seinen 100. Geburtstag. Dies sahen die Besucher der Wiesn zum Anlass, 12.000 Hektoliter Bier zu „vernichten“. Das ist aber noch lächerlich im Vergleich zu den Herren I. und M. Hager, die damals sogar ein Diplom für das Trinken von 10 Maß erhielten. Heutzutage schafft das wohl mancher Jugendlicher bereits an einem Vormittag.

Das Bräurosl-Festzelt war übrigens bis 1913 noch das größte Bierzelt aller Zeiten. Mit seinen 5.500 Quadratmetern bot es etwa 12.000 Gästen Platz. Schon seit vielen Jahren bietet es nur halb so vielen Gästen Platz und musste daher seinen „Titel“ als größtes Festzelt an die Hofbräu-Festhalle abtreten.

Von 1914 bis 1918, also während des ersten Weltkriegs, musste das Oktoberfest wie schon bei den Kriegen davor ausfallen. -fn

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